Spirituosen aus dem Vereinigten Königreich importieren: Zoll, Alkoholsteuer und EMCS nach dem Brexit
Stand: 21.09.2026 · 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Seit 2021 gibt es keine durchgehende Beförderung unter Steueraussetzung aus Großbritannien in die EU. Die britische Sendung endet beim Ausgang aus dem Vereinigten Königreich. In Deutschland folgt eine Einfuhranmeldung, und nur ein registrierter Versender bringt die Ware anschließend ohne Steueranfall in ein Steuerlager.
Seit 2021 endet die Steueraussetzung an der Grenze
Vor dem Brexit war eine Whiskysendung aus Schottland nach Deutschland ein einziger Vorgang im EMCS. Heute sind es zwei. Das Vereinigte Königreich ist für Verbrauchsteuerzwecke ein Drittland, und eine britische Beförderung unter Steueraussetzung kann nur in einem Lager im Vereinigten Königreich enden oder als Ausfuhr. Ein britisches e-VD erreicht Ihr deutsches Steuerlager also nicht.
Das klingt nach mehr Aufwand, als es ist. Der Bruch liegt an einer klar definierten Stelle, nämlich am Ausgang aus dem Vereinigten Königreich. Wenn Sie wissen, wer welchen Teil übernimmt, läuft die Sendung so planbar wie vorher. Entscheidend ist, dass die deutsche Seite vorbereitet ist, bevor die Ware den Hafen erreicht.
Was auf der britischen Seite passiert
Der britische Lagerhalter legt vor dem Verladen einen eAD im britischen EMCS an, der als Bestimmung die Ausgangsstelle aus dem Vereinigten Königreich nennt. Parallel gibt er eine Ausfuhranmeldung im britischen Zollsystem ab und trägt dort den ARC ein. Die Beförderung endet, sobald die Ware das Vereinigte Königreich verlässt, und wird mit der Ausfuhrmeldung geschlossen.
Für Sie als Käufer sind zwei Angaben wichtig: die Warenbezeichnung samt Codenummer und die Mengen, die der britische Versender anmeldet. Diese Werte laufen über die Handelsrechnung in die deutsche Einfuhranmeldung ein. Weichen sie von der tatsächlichen Ladung ab, klärt sich das am günstigsten, bevor der Lkw auf die Fähre fährt.
Die Einfuhr in Deutschland
In Deutschland wird die Sendung zur Einfuhr angemeldet. Dafür brauchen Sie eine EORI-Nummer, die Handelsrechnung, die Packliste und die Angaben zur Einreihung in den Zolltarif. Für Ursprungswaren des Vereinigten Königreichs sieht das Handels- und Kooperationsabkommen eine Präferenz vor, die der Einführer beantragen und mit einer Erklärung zum Ursprung des britischen Ausführers belegen muss.
Unabhängig davon fällt Einfuhrumsatzsteuer an, für Spirituosen zum Regelsatz von 19 Prozent. Sie ist als Vorsteuer abziehbar, wenn die Voraussetzungen vorliegen, bindet aber zunächst Liquidität. Wie die Importabfertigung im Einzelnen abläuft, hängt davon ab, ob die Ware am Hafen oder im Binnenland abgefertigt wird.
Vom Ort der Einfuhr ins Steuerlager
Jetzt kommt der Punkt, an dem sich entscheidet, ob Sie die Alkoholsteuer sofort zahlen. Die Steuer entsteht grundsätzlich mit der Überführung in den steuerrechtlich freien Verkehr (§ 22 Absatz 1 AlkStG). Sie entsteht ausdrücklich nicht, wenn die Erzeugnisse unmittelbar am Ort der Einfuhr in ein Verfahren der Steueraussetzung überführt werden.
Diesen Anschluss darf nur ein registrierter Versender herstellen. Das ist eine eigene Erlaubnis für Personen, die Alkoholerzeugnisse vom Ort der Einfuhr unter Steueraussetzung versenden dürfen (§ 7 Absatz 1 AlkStG). Er eröffnet ein neues e-VD mit einem neuen ARC, und dieser Vorgang endet im Steuerlager mit der Eingangsmeldung. Erst dort liegt die Ware unversteuert.
Ein Detail entscheidet über die Liquidität
Wird die Ware bei der Einfuhr ohne anschließende Steueraussetzung in den freien Verkehr überführt, ist die Alkoholsteuer sofort fällig. Bei 40 Prozent Vol. sind das 13,03 Euro je Liter reinen Alkohols (§ 2 Absatz 1 AlkStG), also 3.648,40 Euro für 700 Liter Ware.
Der Ablauf in sieben Schritten
- Kaufvertrag und Incoterms klären. Wer meldet aus, wer meldet ein, wer trägt die Einfuhrabgaben.
- Britische Ausfuhr vorbereiten. Der Lagerhalter legt eAD und Ausfuhranmeldung an und verknüpft beide über den ARC.
- Deutsche Seite avisieren. Steuerlager und Zollagent bekommen Rechnung, Packliste und Ankunftszeit vorab.
- Transport zum Ort der Einfuhr. Entweder direkt per Lkw oder im T1-Versandverfahren vom Hafen zur Abfertigungsstelle.
- Einfuhranmeldung abgeben. Zolltarif, Präferenz und Einfuhrumsatzsteuer werden festgesetzt.
- Anschluss an die Steueraussetzung. Der registrierte Versender eröffnet das neue e-VD, die Alkoholsteuer entsteht nicht.
- Aufnahme im Steuerlager. Entladung, Abgleich mit dem e-VD, Eingangsmeldung, Einbuchung ins Lagerbuch.
Dokumente, die mitlaufen müssen
| Dokument | Wer erstellt es | Wofür es gebraucht wird |
|---|---|---|
| Handelsrechnung | Britischer Verkäufer | Zollwert, Einreihung, Mengen |
| Packliste | Britischer Verkäufer oder Lager | Abgleich bei der Entladung |
| Erklärung zum Ursprung | Britischer Ausführer | Antrag auf Präferenz bei der Einfuhr |
| Britischer eAD mit ARC | Britisches Steuerlager | Nachweis der unversteuerten Ausfuhr |
| Frachtbrief CMR | Spediteur | Transportnachweis, Übernahme der Ware |
| Einfuhranmeldung | Zollagent oder Importeur | Überführung in den freien Verkehr |
| Neues e-VD mit neuem ARC | Registrierter Versender | Beförderung zum Steuerlager ohne Steueranfall |
Typische Wege und was sie unterscheiden
Der schnellste Weg ist der Lkw über den Kanal, meist Dover nach Calais, danach über die Autobahn ins Rheinland. Die Ware wird an der Grenze in ein Versandverfahren überführt und im Binnenland abgefertigt. Das spart Zeit am Hafen und verlegt die Papierarbeit an einen Ort, an dem Sie ohnehin einen Ansprechpartner haben.
Container laufen dagegen häufig über Rotterdam oder Antwerpen. Dort steht die Ware zunächst in der vorübergehenden Verwahrung, und von dort geht sie im Versandverfahren weiter. Der Weg ist günstiger bei großen Mengen, verlangt aber mehr Vorlauf. Wie wir Einfuhrsendungen übernehmen, steht auf der Seite zum Import aus dem Drittland.
Was ohne Steuerlager passiert
Ohne Anschluss an ein Verfahren der Steueraussetzung ist die Alkoholsteuer mit der Einfuhr fällig, und zwar auf die gesamte Sendung. Das trifft besonders Importeure, die ihre Ware über Monate abverkaufen. Sie finanzieren dann eine Steuer auf Flaschen, die noch im Regal stehen.
Ein registrierter Empfänger verschiebt diesen Zeitpunkt nicht, denn bei ihm entsteht die Steuer mit der Aufnahme der Ware. Nur in einem Steuerlager, also einem vom Hauptzollamt zugelassenen Ort für Lagerung und Beförderung unter Steueraussetzung (§ 4 AlkStG), bleibt die Steuer bis zur Entnahme ausgesetzt. Die Erlaubnis dafür erteilt das Hauptzollamt dem Steuerlagerinhaber (§ 5 AlkStG). Welche Rolle für Sie passt, haben wir im Beitrag zum Vergleich von registriertem Empfänger und Steuerlager aufgeschlüsselt. Wenn Sie Ihren konkreten Fall besprechen möchten, schreiben Sie uns kurz.
Stand: 21.09.2026. Dieser Beitrag ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Kann ein britisches Steuerlager ein e-VD direkt an mein deutsches Steuerlager schicken?
Nein. Eine britische Beförderung unter Steueraussetzung kann nur in einem Lager im Vereinigten Königreich enden oder als Ausfuhr. Für die Strecke in der EU wird ein neuer Vorgang mit neuem ARC eröffnet.
Wann entsteht die deutsche Alkoholsteuer bei einer Einfuhr?
Mit der Überführung in den steuerrechtlich freien Verkehr (§ 22 Absatz 1 AlkStG). Sie entsteht nicht, wenn die Ware unmittelbar am Ort der Einfuhr in ein Verfahren der Steueraussetzung überführt wird.
Brauche ich eine eigene Erlaubnis, um die Ware ins Steuerlager zu bringen?
Den Versand vom Ort der Einfuhr darf nur ein registrierter Versender vornehmen (§ 7 AlkStG). Diese Rolle übernimmt in der Regel der Zollagent oder der Lagerhalter, nicht der Importeur selbst.
Fällt auf britischen Whisky Zoll an?
Für Ursprungswaren sieht das Handels- und Kooperationsabkommen eine Präferenz vor. Der Einführer muss sie beantragen und sich dabei auf eine Erklärung zum Ursprung des britischen Ausführers stützen.
Was ist mit Sendungen aus Nordirland?
Nordirland folgt beim Warenverkehr weiter den EU-Regeln. Eine Beförderung von dort in die EU läuft als innergemeinschaftliche Beförderung unter Steueraussetzung, nicht als Einfuhr.
Wie lange darf die Ware am Hafen stehen?
Solange sie sich in einem zollrechtlichen Verfahren befindet, etwa in der vorübergehenden Verwahrung oder im Versandverfahren. Die Verwahrfristen sind kurz, deshalb sollte die Weiterleitung vorbereitet sein, bevor das Schiff anlegt.
Quellen
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